Werkstatt Zukunft Steinheim am 12. Oktober 2018

Am 12. Oktober 2018 fand auf Einladung des Oberbürgermeisters der Stadt Memmingen die erste Bürgerwerkstatt im Rahmen des Projekts statt.  Etwa 120 Personen kamen am Nachmittag in die Turnhalle Steinheim, um über die Zukunft ihres Ortes zu diskutieren.

Was ist Steinheim für Sie?

Gleich am Eingang der Halle wurde den Teilnehmenden die Frage gestellt: Empfinden Sie sich selbst als „zugezogen“ oder „alteingesessen“? Die Einschätzung hierüber oblag jedem Teilnehmer selbst. Doch egal, ob jemand den blauen Zettel für die „Alteingesessenen“ oder den weißen für die „Zugezogenen“ nahm, die Frage darauf war die gleiche: Was ist Steinheim für Sie?

Etwa die Hälfte der Teilnehmenden hat eine Antwort notiert – der weit über­wiegen­de Teil bezeichnete sich dabei als „altein­ge­ses­sen“. Deutlich wurde, dass Steinheim in erster Linie als Synonym für Heimat steht. Steinheim wird als „Wohlfühlort“ und „Lebensmittelpunkt“ beschrieben – der dörfliche Charakter spielt eine wichtige Rolle. Wer zu dieser Bürgerwerkstatt gekommen ist, glaubt an den Ort: „Meine Heimat, meine Zukunft“ heißt es oder einfach “Do bee i dahoam, do möcht i gern bleiba“. Nach der Begrüßung durch den Oberbürgermeister Manfred Schilder präsentierte das Planerteam Analyseergebnisse und Thesen.

Sieben Themen, zwölf Tische

Die vorgestellten Thesen zu sieben Themenschwerpunkten wurden anschließend in kleineren Gruppen an zwölf Tischen diskutiert. Die Pläne zu den Themen hingen nicht nur an den Wänden aus, sondern dienten auch als Tischtafeln, welche die Bewohner*innen mit Notizen, Kritik und Vorschlägen beschreiben und bekleben konnten. Zeitlich gab es zwei Runden, ein Wechseln der Gruppen zwischendurch war möglich.

Pro Tisch gab es einen Moderator oder eine Moderatorin, die sich aus Vertretern des Teams KARO* und der Stadt Memmingen zusammensetzten. Sie stellten die Eingangsfragen zum Thema und lenkten die Diskussion. Das waren die Themen:

1. Ortsbild & Zu Hause sein

2. Bewohner & Wohnen

3. Versorgung & Öffentliches Leben

4. Bauernhöfe & Landwirtschaft betreiben

5. Gewerbe & Arbeiten

6. Grün, Freiraum & Erholen

7. Mobilität & Unterwegs sein

Den größten Zulauf hatten „Ortsbild & Zu Hause sein“, „Bewohner & Wohnen“ sowie „Versor­gung & öffentliches Leben“, die offensichtlich eine hohe Be­deu­tung für die Stein­heimer haben. Für „Mobi­lität & Unter­wegs sein“ fanden sich dagegen weni­ger Inte­res­senten als vermutet, das Thema wurde jedoch an den meisten anderen Tischen ange­schnit­ten. Am kleinsten waren die Gruppen „Bauern­höfe & Land­wirt­schaft betrei­ben“ sowie „Ge­werbe & Arbeiten“ – hier fühlte sich offenbar nur ein kleiner Kreis der anwesenden Personen im Saal per­sön­lich betrof­fen. Die Frage nach der Zu­kunft alter Höfe wurde jedoch in allen Gruppen in­tensiv disku­tiert.

Die Thesen des Planerteams wurden an diesem Nachmittag in ihren Grund­zügen bestätigt. „Stein­heim soll Dorf blei­ben“ war übergreifender Kon­sens. Dörf­liche Struk­turen und alte Höfe sollen erhalten werden, ebenso typisch dörfliche Nutzungen – lieber ein „Dorf in Nutzung statt ein Museumsdorf“, hieß es. Ein weiteres Wachstum wird akzep­tiert und durchaus als Chance begriffen, z.B. für eine Wiedergewinnung der Ortsmitte als Treffpunkt und Versorgungsort.

Als Voraus­setzungen wurden u.a. genannt: das Mit­wachsen der Infra­struk­tur, die Verknüpfung von Siedlungen und Ortskern, u.a. durch die Umgestaltung der Heimertinger Straße, der Schutz der Landschaft sowie eine konsequente In­nenentwicklung. Darüber hinaus wurde eine Viel­zahl konkreter Ideen for­mu­liert, vor allem auch zur (Um-)Nutzung alter Höfe.

Nach zwei halbstündigen Diskussionsrunden wurde Resümee gezogen. Von jedem Thementisch gab es ein kurzes Statement. Die Moderatoren erklärten dabei anhand des beschriebenen und beklebten Tischplans die jeweilige Sichtweise ihrer Gruppe für alle im Saal. Diese Ergebnisse werden Teil der Untersuchung.

Es wird noch gegrüßt in Steinheim

Was nun macht diesen Ort aus? Immer wieder genannt wird die Kombination aus Stadtnähe und Dorfcharakter, wobei Dorf heißt: Landwirtschaft und Vereinsleben. Als wichtig erachten die Bewohner*innen den Charakter alter Hofstellen, die städtebaulichen und baulichen Strukturen des Orts mit den prägenden Giebeln und Kubaturen der großen Hofgebäude. Ebenfalls von Bedeutung sind Schule und Kindergarten – die als Inbegriff für Zukunft gelten. Dass Feste und Vereine über den Ort „verteilt“ sind, wird positiv gesehen. Auch das Interesse der Bewohner*innen aneinander und an ihrem Ort. „Es wird noch gegrüßt in Steinheim“, bringt es jemand auf den Punkt.  

Das, was den Ort ausmacht, gilt es zu bewahren. Was ihm fehlt gilt es weiterzuentwickeln. Der Nachmittag findet positiven Anklang. Die Besucher*Innen haben nicht bereut, das strahlende Herbstwetter in der Steinheimer Turnhalle verpasst zu haben.

Thesen, Fragen, Meinungen im Überblick

Folgendes Arbeitspapier gibt zusammenfassend die Eingangsthesen und -fragen des Planerteams sowie die Meinungen der Bürger*Innen zusammenfassend wieder. Sie sind jeweils auf zwei Seiten einander gegenübergestellt. Die Auswertung wurde anhand der Notizen auf den Plantafeln der Zukunftswerkstatt, der Vortragskonzepte der Tischmoderatoren sowie der Mitschnitte aus der Werkstatt vorgenommen.

An einigen Stellen wurde die Themenzuordnung der Meinungen geändert, um Wiederholungen einzuschränken. Dopplungen wurden belassen, wo ein Problem sehr deutlich verschiedene Themenkomplexe berührt. Die sieben Themen überlagern sich und hängen vielfältig miteinander zusammen.